
Ein Naturwunder ist ein Ort, an dem die Kraft und Schönheit der Natur in besonderer Weise sichtbar werden. Es entsteht ohne menschliches Zutun, geprägt durch geologische, ökologische und biologische Prozesse über oft unvorstellbar lange Zeiträume hinweg. Solche Landschaften sind selten, einzigartig und von hohem Wert – nicht nur wegen ihrer ästhetischen Wirkung, sondern auch wegen ihrer Bedeutung für Natur, Umwelt und Gesellschaft. Die Breitachklamm gehört zweifellos zu diesen außergewöhnlichen Naturphänomenen.
Als eine der tiefsten Felsenschluchten Mitteleuropas beeindruckt die Breitachklamm mit ihrer dramatischen Geologie, ihrer ursprünglichen Dynamik und einer außergewöhnlichen Artenvielfalt. Eingebettet in die alpine Landschaft an der Grenze zwischen dem Oberallgäu und dem Kleinwalsertal verbindet sie spektakuläres Naturerlebnis mit hoher ökologischer Bedeutung. Jahrtausendelange Erosionsprozesse haben hier eine Landschaft geschaffen, die bis heute in Bewegung ist und Besucherinnen und Besucher unmittelbar spüren lässt, wie lebendig Natur sein kann.
Die Auszeichnung als „Naturwunder des Jahres 2025“ würdigt genau diese Besonderheiten. Sie rückt die Breitachklamm bundesweit ins Rampenlicht und macht deutlich, wie wertvoll der Erhalt solcher Naturräume ist. Gleichzeitig zeigt sie, dass Naturerlebnis, verantwortungsvoller Tourismus und aktiver Naturschutz miteinander vereinbar sind. Die Breitachklamm steht damit stellvertretend für viele schützenswerte Landschaften – und übernimmt zugleich eine Vorbildrolle für den Umgang mit einzigartigen Naturwundern.

Naturwunder sind das Ergebnis natürlicher Prozesse, die über lange Zeiträume hinweg wirken – oft fernab menschlicher Eingriffe. Genau diese Ursprünglichkeit verleiht ihnen ihren besonderen Wert.
Die Breitachklamm erfüllt diese Kriterien in besonderem Maße. Ihre steil aufragenden Felswände, das tosende Wasser der Breitach und die stetige Veränderung durch Erosion machen sie zu einem eindrucksvollen Beispiel für die gestaltende Kraft der Natur. Gleichzeitig ist sie ein sensibler Lebensraum, dessen Gleichgewicht nur durch einen achtsamen Umgang bewahrt werden kann.
Als Naturwunder steht die Breitachklamm stellvertretend für die Vielfalt und Dynamik alpiner Landschaften. Sie zeigt, dass Natur nicht statisch ist, sondern sich ständig weiterentwickelt. Diese Erkenntnis macht Naturwunder zu wichtigen Orten des Lernens und der Sensibilisierung – für Einheimische ebenso wie für Gäste aus nah und fern.
Einzigartiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen
Die Breitachklamm ist nicht nur ein geologisches Meisterwerk, sondern auch ein bedeutender Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Das kühl-feuchte Mikroklima innerhalb der Schlucht schafft besondere Bedingungen, die das Wachstum von Moosen, Farnen und anderen feuchtigkeitsliebenden Pflanzen begünstigen. Viele dieser Arten sind auf genau solche Standorte angewiesen und außerhalb der Klamm nur selten zu finden.
Auch die Tierwelt ist außergewöhnlich vielfältig. Die klaren, sauerstoffreichen Gewässer bieten ideale Lebensbedingungen für Bachforellen und die Wasseramsel – einen spezialisierten Singvogel, der geschickt tauchend nach Nahrung sucht. In feuchten Felsspalten finden Amphibien wie der Alpensalamander sichere Rückzugsorte. Mit etwas Glück lassen sich an den steilen Hängen sogar Gämsen beobachten, die die unzugänglichen Bereiche der Klamm als Schutzraum nutzen.


Im Frühjahr 2025 wurden die Bewerbungsunterlagen der Breitachklammverein eG bei der Heinz Sielmann Stiftung und dem Deutschen Wanderverband eingereicht - die Jury wurde überzeugt und so stand die Breitachklamm als eines von neun Finalisten in die Wahl gehen.
Mit 28,73 Prozent der Stimmen setzte sich die Breitachklamm deutlich gegen acht weitere beeindruckende Naturphänomene durch und holte den Titel nach Bayern. Der zweite Platz ging an den Blautopf in Baden-Württemberg, gefolgt vom Wasserbaum bei Ockensen in Niedersachsen. Weitere Finalisten waren der Dreimühlen-Wasserfall (Rheinland-Pfalz), die Externsteine und der Obersee der Rurtalsperre (beides Nordrhein-Westfalen), die Lange Anna (Schleswig-Holstein), die UNESCO-Buchenwälder Serrahn (Mecklenburg-Vorpommern) sowie der Staatsbruch Lehesten in Thüringen.
Auszeichnung, Anerkennung und Vorbildfunktion
Am 10. Dezember 2025 wurde der Titel „Naturwunder des Jahres“ offiziell an die Breitachklamm verliehen. In feierlichem Rahmen überreichten die Heinz Sielmann Stiftung und der Deutsche Wanderverband die Urkunde und Trophäe an den Breitachklammverein eG. In den Laudationes wurde besonders das Engagement vor Ort gewürdigt.
Die Auszeichnung hebt nicht nur die beeindruckende Geologie sowie Flora und Fauna hervor, sondern auch das verantwortungsvolle Management der Klamm. Sie würdigt die Leidenschaft, den Teamgeist und die langfristige Vision, mit der es gelungen ist, Natur erlebbar zu machen und zugleich zu bewahren. Damit übernimmt die Breitachklamm eine wichtige Vorbildfunktion für andere Naturwunder in Deutschland. Sie zeigt, dass Schutz, Nutzung und Begeisterung für Natur Hand in Hand gehen können – ein Ansatz, der weit über die Region hinaus wirkt und das Bewusstsein für den Wert unserer Naturlandschaften nachhaltig stärkt.
